Der Penis und ich – ein Gedankenspaziergang in einer gespaltenen Welt

„Ich wache ja nicht einfach morgens auf und denke: Ja, komm, heute lass ich mir meinen Penis spalten.“

Sarah setzt eine kleine Spritze an. Die Nadel ist extrem dünn. Es soll ja auch nicht weh tun. Wie ein trauriger Aal hängt der sonst so stolze Krieger Richtung Boden. Sarah umfasst den Schaft und pickst mit der Nadelspitze in den schlaffen Schwellkörper. Die Betäubung fängt an zu wirken. Jegliches Gefühl entweicht aus dem männlichen Stolz. „Bist du dir ganz sicher?“, fragt Sarah bevor sie zum Skalpell greift. Ein Nicken bestätigt ihr Vorhaben. Es kann beginnen.

Hast du schonmal gesehen, wie ein Wildschwein ausgenommen wird? Mitten im Wald nachdem das Tier erlegt wurde, hängt der Jäger den leblosen Körper über ein improvisiertes Gerüst. Setzt mit dem Messen an und schlitzt das Tier vom Genital an bis zum Hals auf. Die Gedärme fallen ihm entgegen. Sein gesamter Oberkörper ist mit dem flüssig metallischen Rot beschmiert. Überall dieses Blut. Es sieht so aus, als wenn gerade eine Granate in mitten eines Containers randvoll mit überreifen Trauben explodiert wäre.

Ein ähnliches Bild zeichnet sich unter Sarahs Fingern ab. Zuerst klemmt sie mit einer Art Schlaufe die Blutzufuhr zum Penis ab. Ihr müsst euch das wie ein kleines Lasso vorstellen, das elegant um Hodensack und Glied geschlungen wird. Mit dem scharfen Chirurgenbesteck sticht sie unterhalb der Eichel ein und schlitzt den Penis auf. Der komplette Schwellkörper liegt längsseits geöffnet zwischen den zuckenden Schenkeln. Ein Problem stellt natürlich die Harnröhre dar. Klar, die ist ja auch ziemlich in der Mitte. Was macht man damit? Aber keine Sorge, da gibt es verschiedene Methoden. Je nach Vorliebe und Künstler. Sarah entscheidet sich für den neusten Trends in Sachen Penisspaltung. Die Harnröhre wird angeritzt bis zu dem Punkt, an dem die Spaltung beginnt. Im-Stehen-Pinkeln ist dann halt nicht mehr. Oder es gibt eine riesige Sauerei. Ist dann eher so eine Art Verstreu-Modus als ein harter Strahl. Aber es gibt ja auch an jedem Duschkopf verschiedene Einstellmöglichkeiten. Warum sollte es mit dem Penis anders sein? Um das Vorgehen nochmal etwas bildlicher zu beschreiben. Man kann sich das ein bisschen wie die lustigen Wiener auf Kindergeburtstagsfeiern vorstellen. Die Würstchen werden angeschnitten, eingeritzt und auf den Grill gelegt. Die beiden Enden rollen sich dann ganz witzig auf. Das ist der Hit auf jeder Party. Diese verrückten Würstchen…

Aber zurück zu dem, was da unter Sarahs Fingern passiert. Nach dem der Penis bis zum Ansatz in zwei längliche Lappen aufgetrennt wurde, beginnt die gelernte Body-Transformerin die Blutgefäße zu vernähen und kleinere Äderchen weg zu löten. Der Geruch von verbranntem Fleisch und getrocknetem Blut liegt in der Luft des Behandlungsraums. Hier muss Sarah sehr behutsam und exakt vorgehen, denn der beste Freund des Mannes soll ja später noch funktionsfähig sein. Auch wenn man sich eher schwer vorstellen kann, dass das Glied immer noch steif werden kann. Also vorausgesetzt, dass Sarah keine Fehler macht, versteht sich.

Aber bitte, warum? Warum zur Hölle tut sich das jemand freiwillig an? Ich wache ja nicht einfach morgens auf und denke: Ja, komm, heute lass` ich mir meinen Penis spalten. Irgendwas muss da vorgefallen sein. Eine medizinische Notwendigkeit kann meines Erachtens in den meisten Fällen ausgeschlossen werden. Und dass ein gespaltener Schwengel messbare Vorteile bei der Partnersuche oder dem Akt der Lust mit sich bringt, na gut, hierzu gibt es eher wenige wissenschaftlich belastbare Studien. Eigentlich habe ich keine Ahnung, um das hier an dieser Stelle abzukürzen. Die Evolution könnte noch herangezogen werden. Immerhin hat sich der Mann über zig tausende von Jahren hin zu einem Mono-Penis-Geschöpf entwickelt. Natürlich gab und gibt es immer wieder besondere Männchen, die ein zweiköpfiges Ungeheuer in ihrer Hose spazieren tragen. Aber das ist dann doch eher die Ausnahme.

Was also treibt einen Mann zu einer Penisspaltung? Wie so oft lohnt es sich, zuerst einmal die Google-Bildersuche zu starten. Nichts für schwache Nerven. Nach einer sehr verstörenden Recherche bin ich auf Folgendes gestoßen. In der Fachsprache nennt man die Penisspaltung oder das Penissplitting Subinzision. Zum ersten Mal ist es in Zentralaustralien aufgetaucht. Dort ist es Teil einer Initiationszeremonie. Der Zweck ist hierbei aber noch nicht vollständig geklärt. Es gibt Theorien, die es als eine Form der Empfängnisverhütung beschreiben. Denn das Sperma tritt aus der Harnröhre aus, bevor es in die Vagina gelangen kann. Irgendwie ist dieser Ritus von der westlichen Body-Modifikation-Szene adaptiert worden. Hierbei soll es es primär um einen Lustgewinn gehen. Die Erklärung lautet wie folgt: Durch die Öffnung der Harnröhre wird zusätzlich empfindliches Gewebe exponiert, wodurch der Penis eine erhöhte Empfindlichkeit aufweist. Und jetzt kommt’s. Eine Subinzision des Mannes führt in der Regel auch zu einer gewünschten Vergrößerung des Penis im erigierten Zustand.

Daher kräht also der Hahn. Vielleicht kommt hierher auch die Redewendung: Sein Innerstes nach außen kehren. Ist nur so ein Gedanke.

Zurück zu Sarah. Sie ist natürlich Spezialistin auf ihrem Gebiet. Ihr macht so schnell niemand etwas vor. Immerhin hat sie eine Seminar besucht. Das dauert je nach Intensität ein Wochenende oder wenn sie es richtig krachen lassen will, dann eben fünf Tage. Preislich liegt diese Bildungsreise zwischen 500 und 1500 Euro. Schnapperle, sozusagen. Und schon gehört das Zertifikat ihr. Das kann sie sich dann direkt neben ihr Gewissen an die Wand in ihrem Studio hängen. Der Mann hat übrigens überlebt. Ob ihn jemals wieder eine Frau rangelassen hat, ist nicht überliefert.

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